DAY OF THE WOMAN (DVD)
Ja, da waren Vorfreude und Erwartungen wohl doch ein klein wenig zu groß beziehungsweise hoch. DAY OF THE WOMAN aka I SPIT ON YOUR GRAVE ist ein guter Film, keine Frage. Zum Meisterwerk reicht es dann aber leider nicht ganz. Am erstaunlichsten finde ich ja, dass der Film nicht nur den Rachefeldzug einer Frau beschreibt, sondern gleichzeitig auch eine ganze Filmepoche rächt. Habe ich mich erst gestern noch für die Zwischenprüfung in Anglistik mit einem Text beschäftigt, der die Ausbeutung der weiblichen Darstellerinnen und deren Körper im Erzählkino der 20er, 30er und 40er Jahre anprangert (natürlich von einer Frau geschrieben), so markiert Zarchis Film wohl eine Art Wendepunkt.Der ganze Film ist richtig unangenehm, bisweilen fällt es einem sogar richtig schwer überhaupt hinzusehen - wobei es ja gerade das ist, was der Film will. Camille Keaton spielt richtig schön intensiv, zu keinem Zeitpunkt wirkt ihr Charakter realitätsfern oder gar over the top. Ihre Handlungen sind deshalb auch relativ nachvollziehbar, so barbarisch und grausam sie auch sein mögen. Einzig und allein der Mord an Matthew (Richard Pace) hat mich irgendwie gestört, ich meine, der konnte ja wohl am allerwenigsten dafür. Dies zeigt aber auch, dass der Film keine Gefangene macht. Was letzten Endes mit Jennifer geschieht, wie sie mit dem Ganzen fertig wird oder auch nicht, ist nicht klar - so unvermittelt der Film beginnt, so unvermittelt und abrupt endet er auch.
Im direkten Vergleich mit dem nicht allzu unähnlichen THE LAST HOUSE ON THE LEFT würde ich I SPIT ON YOUR GRAVE ungefähr gleichsetzten. Beiden kommt der schnelle Handlungsablauf und die Reduzierung aufs Wesentliche zugute. Denn sind wir doch mal ehrlich: Abgesehen davon, was die beiden Filme sonst noch alles in Petto haben, in erster Linie erfüllen sie die Kriterien eines Exploitationfilms. Zwar sagt man (auch ich), dass man manchmal nur schwer hinsehen kann, aber im Grunde wollen wir das ja sehen - die zuletzt gesichteten Vertreter dieser Spezies, CANNIBAL HOLOCAUST, CANNIBAL FEROX und Co. lassen grüßen. Man muss damit ja immer vorsichtig sein, vor allem bei der Wortwahl, aber ja, ich hatte meinen "Spaß".
Auch möchte ich behaupten, dass der Film bis heute nichts von seiner Intensität eingebüßt hat, denn thematisch gesehen ist dieses Szenario ja zeitlos. Richtig fiese Typen (warum aber solch ein Charakter wie Matthew?), böse Kastrationen und Frauenpower galore! Frau Alice Schwarzer dürfte vom Film bestimmt auch nicht abgeneigt sein...
(7-8/10)


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